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Die Straßenbahn von Mulhouse
Bereits von 1882 bis zum Jahre 1960 fuhr in Mulhouse eine Straßenbahn. Die Bahn wurde in Meterspur angelegt und es waren zunächst Dampflokomotiven im Einsatz. Seit dem 23. Juli 1894 wurde sie dann elektrisch betrieben. In die nördlich gelegenen Ortschaften Ensisheim und Wittenheim wurde in den Jahren 1885 und 1888 jeweils eine Überlandstrecke errichtet.
Mit 46 Kilometern Streckenlänge erreichte das Mulhouser Straßenbahnnetz 1934 seine größte Ausdehnung. Es waren 5 innerstädtische Linien sowie die beiden Außenlinien in Betrieb. Diese wurden bis zum Jahr 1957 in Betrieb gehalten, die innerstädtischen sind zwei Jahre zuvor eingestellt worden. Der Güterverkehr hatte in Mulhouse bis ins Jahr 1979 große Bedeutung auf dem Netz der Straßenbahn. Die Industrie erhielt ihre Brennkohle vom Rhein-Rhone-Kanalhafen auf den Gleisen der Straßenbahn. Zum Einsatz kamen auch Rollwagen zur Aufnahme normalspuriger Güterwagen der Eisenbahn. Ab 1960 wurde der Güterverkehr aber vermehrt auf die Straße verlegt.
Über eine Wiedereinführung eines öffentlichen Verkehrssystems auf Schienen wurde bereits im Jahre 1991 diskutiert. Ausgehend von den Gedanken eines O-Bussystems entwickelte sich ein Konzept eines Tram-Zug-Systems analog des Karlsruher Modells, also die Verbindung einer Straßenbahn mit den Gleisen der Eisenbahn.
Zuständig für den innerstädtischen Teil und die Straßenbahn ist das "Syndicat Intercommunal des Transports de l'Agglomération Mulhousienne" (SITRAM). Diesem Kommunalverbund gehören 24 Kommunen mit etwa 235.000 Einwohnern an, er ist ausschließlich für die Belange des öffentlichen Verkehrs zuständig. Er hat eine Machbarkeitsstudie beauftragt die 1999 veröffentlicht wurde. Im Jahre 2002 wurde mit dem Bau des Streckennetzes begonnen.
Ein Grundnetz mit 2 Linien und einer Streckenlänge von 11,5 Kilometern ging am 13. Mai 2006 in Betrieb. Ein zentraler Punkt ist die viergleisige Haltestelle Porte Jeune. Mit ca. 4,3 Kilometern Länge ist die Linie 1 die Verbindung der nördlich gelegenen Endstation Rattachement mit dem südlichen Endpunkt, dem Hauptbahnhof. Zwischenstationen sínd zum Beispiel das nationale Automobilmuseum Collection Schlumpf oder das Stadion Bourtzwiller. Zu Messezeiten wird noch die Station Parc Expo angefahren. Die Linie 2 ist schon etwas länger, nämlich 7,2 Kilometer. Die Linie verbindet einen Park-and-Ride Platz an einem Autobahnzubringer im Osten von Mulhouse mit dem Neubaugebiet Coteaux im Südwesten. Die Universität und der Sportpalast sind unter anderen Zwischenstationen der Linie 2.
Der Neubau der Straßenbahn wurde wie in anderen französischen Städten auch als Teil der Stadtgestaltung betrachtet. Auf die künstlerische Gestaltung wurde besonderen Wert gelegt. Dies zeigt sich besonders an den Haltestellen der Linie 2, die der französische Bildhauer Daniel Buren mit bunten, 8 Meter hohen Stahlbögen gestaltet hat. An diesen ist zugleich die Oberleitung befestigt. Für die Linie 1 war der deutsche Bildhauer Tobias Rehberger für die Gestaltung der Haltestellen zuständig, sie nehmen Bezug auf die Umgebung. Achtzig Prozent der Strecke der Linie 2 verläuft auf Rasengleis, ca. 1000 Bäume wurden entlang der Trassen neu angepflanzt.
Auf den Gleisen kommen Niederflurwagen des Typs Alstom Citadis 302 zum Einsatz. Sie haben eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h und eine Länge von 32,5 Metern. Es wurden bereits für das komplett geplante Stadtnetz 27 Züge beschafft von denen zum jetzigen Zeitpunkt nur 15 im Einsatz sind.
Die Züge sind in ihren Grundfarben gelb gehalten, jedoch sind sie mit unterschiedlichen roten und schwarzen geometrischen Motiven versehen. Die Bevölkerung konnte über das Design mit abstimmen. Etwas Besonderes sind die Ansagen zu den jeweiligen Haltestellen. Es sind immer eine männliche oder eine weiblichen Stimme im Wechsel zu hören. Der französische Komponist Pierre Henry steuerte einleitende Klangkompositionen bei.
Im Jahr 2009 soll eine Verlängerung um 3 Stationen der Strecke der Linie 1 vom nördlichen Endpunkt in den Stadtteil Bourtzwiller in Betrieb gehen. Die Französischen Staatsbahnen SNCF bestellte 12 Zweisystemstadtbahnen bei Siemens für die Anbindung ins Thurtal im Nordwesten von Mulhouse. Damit wird das Straßenbahnnetz der Stadt Mulhouse mit dem Regionalnetz des Elsass verbunden. Eine Inbetriebnahme dieser Verbindung ist für das Jahr 2010 vorgesehen. In Lutterbach soll vom 25 kV/50Hz Stromnetz der SNCF auf die 750 Volt Gleichstrom der Straßenbahn gewechselt werden. 2012 soll das Stadtnetz um 2 weitere Strecken erweitert werden.
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