|
Die Station liegt leicht oberhalb des Sees und über dem gegenüber der Piz Cambrena aufsteigt. Die Strasse führt nun ins östliche Val Lagune hinab und die Bahn verläuft zunächst weiter am See entlang bis zur südlichen Staumauer. Unmittelbar nach der Ausfahrt aus Ospizio wird ein überdachtes Doppeltor durchfahren. Hier steht im Winter auf dem Nebengleis gelegentlich die Dampfschneeschleuder X rot d9213. Plötzlich wird im Zug die Deckenbeleuchtung eingeschaltet, auf der rechten Seite begleitet immer noch der Lago Bianco den Zug. Es geht in die 140 m lange Gala-Galerie und nach der Ausfahrt ist auch der See zu Ende und die Staumauer sichtbar. Die Mauer ist 26 Meter hoch, von hier aus führen zwei unterirdisch verlegte Rohre das gestaute Gletscherwasser in die Turbinenzentrale von Palü. Die in den Kraftwerken von Brusio gewonnene elektrische Energie wird unter anderem auch von der RhB genutzt. Ungefähr 34 Mio m3 Wasser erzeugen ca. 360 GWh Strom. Die Trasse führt nun relativ gerade bis zum Scala-Tunnel. Das war nicht immer so. Beim Bau der Berninastrecke war noch nicht an einen ganzjährigen Betrieb gedacht, und an dieser Stelle wurde eine Aussichtsschleife für den ersten Blick auf den Puschlavsee angelegt. Die Bahn fuhr bis ins Jahr 1941 dieses grosse "S", das doch sehr durch Lawinen gefährdet war. Bereits 1924 wurde über 2 Weichen eine direkte Verbindung der beiden Endpunkte der S-Kurve geschaffen, wobei das alte Gleis über eine Brücke gequert wird. Diese Stelle wurde 17 Jahre als Kreuzungspunkt genutzt, erst dann wurde das alte Gleis und die Weichen abgebaut. Heute ist das alte Gleisbett als Wanderweg nutzbar, die Überquerung ist immer noch vorhanden. Nach dem Verlassen des 192 m langen Scala-Tunnels geht es nach ein paar gefahrenen Metern in eine Schutzgalerie um dann wieder in den Drago-Tunnel einzufahren. Das ganze Bauwerk hat eine Gesamtlänge von etwas mehr als 600 Meter. Da hier das Hochtal des Berninapasses steil in das Cavagliatal abfällt, ist hier im Winter fast immer mit Schneeverwehungen zu rechnen. Ganz schnelle Fotografen sollten dann auf der rechten Wagonseite die Apparate bereithalten, für eine ganz kurze Zeit ist der Palü-Gletscher auf den Film zu bannen. Viele werden aber bereits die Holzbretter der Grüm-Galerie ablichten. nach 264 Metern Holzverbauung fährt der Zug pünktlich um vier Minuten nach Elf Uhr in den Bahnhof von Alp Grüm ein. Der Gegenzug 450 aus Tirano steht schon auf Gleis 2 zur Abfahrt bereit.
Bild 48 rechts: Ein Bernina-Express-Zug verlässt soeben die Station Ospizia Bernina. Neben der Durchfahrt, hinter dem Holztor wird die Dampfschneeschleuder Xrotd bei Bedarf eingestellt.
|
 Bild 46: Ein Personenzug mit angehängten Güterwagen verlässt gerade die höchstgelegene Bahnstation Europas, die die Züge in Adhäsionsbetrieb erreichen.
Bild 47: Das Läutewerk der Station Ospizio Bernina ist noch heute in Betrieb und der Stolz des Stationsvorstehers.
|